Angedacht für Freitag 25. März 2022

In neun Monaten ist Weihnachten

Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, Du Begnadete, der Herr sei mit Dir (Lk 1, 28)
Auf der Suche nach Inspiration habe ich mir den diesjährigen Fastenkalender vorgenommen. Dabei ist mir aufgefallen, dass in neun Monaten schon Weihnachten ist. Und dass wir heute, mitten in der Fastenzeit, den Tag der Mariä Verkündigung begehen.
Interessant, wie wichtig dieser Tag für die ganze Christenheit ist und wie viele ihn gar nicht „auf dem Schirm haben“ Wenn man uns fragt, welcher der wichtigste Feiertag für uns ist, antworten die meisten: Ostern. Verständlich, denn auf die Auferstehung Jesu basiert unser Glaube.
Aber ohne das Zusammentreffen von Maria und dem Engel, wäre Jesus vielleicht gar nicht auf die Erde gekommen. Dann gäbe es erstmal kein Weihnachten und auch die Fastenzeit wäre nicht nötig, denn wir bräuchten keine Vorbereitung auf das dann nicht vorhandene Ostern.
Was hat sich Maria wohl an dem Tag gedacht? Erschrocken ist sie laut der Bibel schon, aber sie überlegt auch, was das alles zu bedeuten hat. Sie hat die Verkündigung einfach hingenommen ohne sich zu beklagen oder alles zu hinterfragen. Ob sie wohl geahnt hat, welche große Verantwortung ihr Gott übertragen hat, seinen Sohn auszutragen und aufzuziehen?
Auch für uns heutzutage ist es nicht abzusehen, wenn wir das erste Mal Eltern werden, was sich in unserem Leben ändern wird. Aber wir überlassen nichts dem Zufall oder der Vorsehung, sondern wir planen die ersten Lebensjahre unseres Kindes von dem Moment an, in dem wir von ihm erfahren. Es wird eine Hebamme gesucht, Kindergärten angeschaut und die Anmeldung abgegeben, obwohl das Kind noch nicht einmal geboren ist. Wenn es dann da ist, findet es sich in einem liebevoll ausgestatteten Kinderzimmer wieder, es hat genügend Kleidung in mehreren Größen und es ist wirklich alles vorhanden, was es braucht (oder auch nie brauchen wird).
Ganz anders Maria. Sie sagt, ohne groß nachzudenken:
Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel (Lk 1, 38)
Aber zurück zum Anfang: Wenn ich die jetzt das Frühlingserwachen sehe, mit den ersten Blumen und den ersten warmen Tagen, möchte ich eigentlich nicht an Weihnachten denken. Weder an die kalte, dunkle Jahreszeit und den ganzen Stress, den dieses Fest in der Regel mit sich bringt. Ich freue mich jetzt erst einmal auf das Osterfest mit allem was dazu gehört und nehme mir heute bewusst ein paar Minuten Zeit und denke an Maria, für mich eine starke und bewundernswerte Frau.

Manuela Paflitschek, Pastorale Mitarbeiterin