Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten

Im Rahmen des diözesanweiten Prozesses hat die Kirchengemeinde St. Martinus Kornwestheim ein Prozessteam aufgestellt, um auch in unserer Gemeinde einen Veränderungsprozess einzuleiten. Weitere Informationen finden Sie auch auf der Homepage der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Entwicklungsplan Pastoral - vorläufiger Abschlussbericht

I Allgemeines

  1. Name der SE: Kornwestheim

Pfarrei und Seelsorgeeinheit sind identisch. Daher entfallen alle Themen der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Orten.

  1. Zeitraum Entwicklungsweg „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“

Der erste Treff des Prozessteams war am 7. Oktober 2015. Seit diesem ersten Treffen traf sich das Prozessteam einmal in jedem Monat (mit kurzen Unterbrechungen). Das Prozessteam setzte sich zum Hauptteil aus den Mitgliedern des Öffentlichkeitsausschusses, den Hauptberuflichen und anderen Gemeindemitgliedern zusammen. Der Prozess geht nach diesem vorläufigen Abschlussbericht weiter.

  1. Prozessteam Das Prozessteam übernahm diesen

Funktionsnamen und setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen:

Bruno Authaler (KGR), Jaqueline Avagliano (KGR), Georg Dazert (†), Heike Fischer (KGR), Johanna Götzinger, Ulrich Hoch (KGR), Christina Kneifel (Past. Ref.), Rosemarie Schabatka, Franz A. Scheuermann (KGR), Franz Tonn, Hans-Jürgen Winkler (Gem. Ref.), Franz Nagler (Pfr.)

Dekanatsreferent Alexander Bair wurde am Beginn hinzugezogen.

II Entwicklungsplan Pastoral

  1. Wichtige Stationen und Erfahrungen

1.1 Station: Jugend

Schon bei den ersten Treffen wurde entschieden, dass wir uns ein Pastoralfeld aussuchen, das uns unter den Nägeln brennt. Das ausgesuchte Pastoralfeld war das Thema: „Jugend“. Zunächst wurde ein Bild erstellt, wie wir die Situation der Jugend bei uns sehen. Auf der Basis von kirchlichen Dokumenten wurde gefragt, wie in diesen die Jugend gesehen wird. Nach dieser internen Auswertung luden wir die Verantwortlichen der Jugendgruppen und diejenigen, die mit Jugendlichen unterwegs sind, zu einem Treff im Thomashaus ein. Dieser Treff verlief spirituell wie organisatorisch sehr gut. Von vorneherein wurde klargestellt, dass ein nostalgischer Blick zurück, wenig hilfreich ist. Es stellte sich heraus, dass es wenig Vernetzung gibt und dass es an Ausbildung für die Leiter*innen mangelt. Die Zahl derer, die unsere Jugendangebote nutzen oder sich als Jugendleiter*innen ausbilden lassen, sind rückläufig. Dieses Treffen erreichte, dass wieder eine Beziehung zwischen den Jugendlichen und dem KGR zustande kam, dass wieder bekannt wurde, wer was macht. Es wurde deutlich, dass die Jugendarbeit im Pastoralteam eine Ansprechperson braucht, was mit Christina Kneifel dann gefunden wurde. Die direkte Begegnung mit den Jugendlichen hat verschiedene Maßnahmen ermöglicht, die gewinnbringend wurden. Es kam eine neue Pfadigruppe zustande, auch die Ministrant*innen organisierten sich neu. Im KGR gibt es bei jeder Sitzung eine Jugendinfo.

Es wurden bei diesem Prozess auch die Situation der Jugendräume angesprochen und eine Lösung in Zusammenhang mit dem umzugestaltenden Schwesternhaus gesucht.

Auch die Gestaltung des Jugendsonntages wurde wieder neu aufs Programm gesetzt, was sehr hilfreich war und dazu führte, dass neben der Gestaltung des Gottesdienstes am Jugendsonntag, auch wieder ein Jugendprogramm nachmittags angeboten wurde.

Insgesamt wurden die Kontakte zum Jugendreferat verstärkt, das Gruppenleben belebt und vernetzt. Neue Initiativen wurden gestartet. Es hat sich auch herausgestellt, dass Prozesse mit Jugendlichen nicht einfach machbar sind, sondern ein organisches und organisiertes Miteinander brauchen.

1.2 Station: Dekanat

Nach dem ersten Vernetzungstreffen im Dekanat und dem Vortrag durch Prof. Ebertz stellte sich heraus, dass die Begegnungen einerseits den Blick über den berühmten Tellerrand hinaus ermöglichten, aber wenig für die Situation vor Ort halfen. Dies war auch ein Motiv, warum kein externer Berater für das Prozessteam gesucht wurde. Dekanatsreferent Alexander Bair besuchte einmal das Prozessteam, um die Ziele des Prozesses zu erläutern. Er sah dabei, dass in Kornwestheim Seelsorgeeinheit und Pfarrei übereinstimmen und dadurch der Prozess etwas anders verlaufen werde und müsste.

1.3 Kirchenbilder

Im Prozessteam setzten wir uns mit Kirchenbilder aus „Lumen Gentium“(LG) und „Gaudium et Spes“(GS) auseinander. Wichtige Texte waren uns dabei:

„Die Kirche ist Sakrament, Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit. Sie hat den Auftrag und die Befähigung durch den Geist, die Reich Gottes Botschaft Jesu zu künden und zu leben. Das ganze Gottesvolk hat Teil am prophetischen Amt Christi.“ (LG 1ff.)

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände. Ist doch ihre eigene Gemeinschaft aus Menschen gebildet, die, in Christus geeint, vom Heiligen Geist auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet werden und eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist. Darum erfährt diese Gemeinschaft sich mit der Menschheit und ihrer Geschichte wirklich engstens verbunden.“ (GS 1)

„Die Heilige Synode bekennt darum die hohe Berufung des Menschen, sie erklärt, dass etwas wie ein göttlicher Same in ihn eingesenkt ist, und bietet der Menschheit die aufrichtige Mitarbeit der Kirche an zur Errichtung jener brüderlichen (geschwisterlichen) Gemeinschaft aller, die dieser Berufung entspricht. Dabei bestimmt die Kirche kein irdischer Machtwille, sondern nur dies eine: unter Führung des Geistes, des Trösters, das Werk Christi selbst weiterzuführen, der in die Welt kam, um der Wahrheit Zeugnis zu geben; zu retten, nicht zu richten; zu dienen, nicht sich bedienen zu lassen“ (GS 3).

„Zur Erfüllung dieses ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten.“ (GS 4)

Die hierarchische Struktur der Kirche wurde sehr kritisch gesehen.

Der diözesane Aspekt einer missionarischen, diakonischen, dialogischen und sakramentalen Kirche wurde benannt.

Ein Fragebogen “Kirche vor Ort“ war hilfreich, um bestimmte Aspekte besser sehen zu können. So wurde die allgemeine Lebensqualität der Ortsgemeinde als sehr gut eingeschätzt. Unsere Kirchengemeinde wurde als offen, sozial, mit vielen Veranstaltungen und Gruppen gesehen, aber auch mit einem inneren Kreis, der kaum erweitert wird. Insgesamt weiß sich die Gemeinde gut unterwegs in den Fußspuren des Heiligen Martinus. Veränderungen werden angestrebt in einer größeren Ausstattung für Ehrenamtliche. Stark soll sich die Gemeinde auf sozialen und politischen Gebieten machen. Die Gemeinde als Trägerin der Seelsorge soll verstärkt werden. Jugendarbeit und die Begleitung junger Familien soll zunächst im Zentrum der Überlegungen stehen. Die Gemeindearbeit, vor allem die Feier der Sakramente und die Sozialarbeit sind stark vom Evangelium her geprägt. Die Arbeit von Ehrenamtlichen ist auf fast allen Gebieten zu finden.

1.4 KGR

Im Prozessteam, zusammen mit Dekanatsreferent Alexander Bair, wurde eine KGR-Klausur vorbereitet. Das Thema dieser Klausur war: „Kirche vor Ort“. Es wurde nach der Bedeutung des Glaubens gefragt, nach den Schätzen unserer Gemeinde, eine Außen- und Innensicht der Gemeinde abgefragt, Stärken und Schwächen gesehen, spirituelle Haltungen vertieft und ein Blick in die Zukunft, wo unser Herz brennt, gerichtet. Die Ergebnisse wurden in einer Broschüre, die vom KGR sehr kritisch gesehen wurde, festgehalten und an die Gemeinde verteilt. Außerdem wurden die Ergebnisse in den Gottesdienst am Kirchweihfest mit einbezogen und der Gemeinde an Stellwänden die Möglichkeit gegeben, ihre Meinungen anzubringen, was wenig genutzt wurde.

Eine zweite KGR-Klausur widmete sich mit einer externen Referentin wieder dem Thema: „Kirche vor Ort – Motivation durch biblische Grundlagen.“ Ein Bibliolog begleitete dieses Thema. Im Thomashaus wurde ein ökumenischer Bibelkreis begonnen, der biblische Texte für das alltägliche Leben in Verbindung mit Kunstwerken zu den entsprechenden Bibelstellen meditiert.

1.5 Gemeindeversammlung und Agapefeier

Eine Gemeindeversammlung informierte 2017 über den Umbau des Schwesternhauses und damit auch über die pastoralen Ziele dieses Umbaus. Dabei brachten die Gruppen ihre Vorstellungen ein.

Eine Agapefeier im Gemeindesaal brachte alle Gruppen zusammen und ermöglichte einen guten Austausch der Gruppen wie eine spirituelle Vertiefung. Die Gruppen wurden neu wahrgenommen und zusammengeführt.

1.6 Martinusjahr

2016 war das Martinusjahr. Das ganze Jahr über wurden pastorale Themen mit dem Leben unseres Kirchenpatrons in Verbindung gebracht. Folgende Themen wurden bearbeitet und gefeiert: Taufe und Namensgebung, Freundschaft, die Mantelteilung, Kirche als Gemeinschaft, Geist des Friedens, die Götzen der Zeit, „eine verbeulte Kirche ist mir lieber“ (an die Ränder gehen), Zivilcourage, das Schwert des Kaisers soll keine Glaubensfragen entscheiden, Tod und Auferstehung. Im Prozessteam wurde ein Text diskutiert, der die wesentlichen Bereiche unsere Pastoral mit dem Leben des heiligen Martinus in Beziehung stellte. Im Martinusjahr wurde auch eine Gemeindewallfahrt nach Tours durchgeführt. Kirchenmusiker H. Döser komponierte eine Martinusmesse.

1.7 Junge Familien

Als nächster Schritt des Prozessteams wurde das Thema: „Junge Familien“ gewählt. Ein erster Treff mit allen Gruppenverantwortlichen, die mit jungen Familien arbeiten, fand bereits statt, ermöglichte einen guten Austausch und hat auch erste Ergebnisse erzielt. Es wurden zwei Flyer über alle Angebote für Krabbelgruppen, Kleinkinder, Kinder und Familien erstellt und an alle Haushalte verteilt.

1.8 Wohnraumoffensive

Angesichts der Wohnraumnot wurde eine sogenannte Wohnraumoffensive in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Caritasverband Ludwigsburg-Waiblingen-Enz gestartet. Eine intensive Werbung zeigt erste Erfolge in der Vermittlung von bezahlbarem Wohnraum.

1.9 Haus der Begegnung/Martinushaus/Schwesternhaus/Haus der katholischen Kirche (Wir sind noch auf Namenssuche)

Der Umbau des Schwesternhauses ist nicht nur eine bautechnische Veränderung. Die Sanierung des Schwesternhauses ist eine pastorale Herausforderung, die verschiedene Themen aufgreift: Bezahlbarer Wohnraum, ökologischer Umbau, Raum für Kirchencafé, Krabbelgruppen, Meditationsraum, Kleiderladen, Tafelladen, Räume für Soziales…

  1. Erkenntnisse und Ergebnisse

2.1 Die Kommunikation mit den Gruppen hat sich gelohnt.

Bei den Jugendlichen haben die Begegnungen und der Austausch einen Prozess (Prozess = Fortgang, Fortschritt) angestoßen. Sie haben Wertschätzung ihrer Arbeit erfahren. Im Prozess-Team selbst wurde das Thema grundlegend bedacht und Möglichkeiten der Unterstützung besprochen. Verbindlich wurde festgelegt, dass Frau Kneifel, Pastoralreferentin, Ansprechperson aus dem Team der Hauptamtlichen ist. Jugendarbeit ist in unserer Gemeinde sehr wichtig und wird von Seiten des Kirchengemeinderats unterstützt und gefördert.

Die Agape-Feier (Agape = schenkende Nächstenliebe) hat deutlich werden lassen, dass die Kommunikation in die Gemeinde hinein punktuell gut war: die Vielfalt der Gruppen wurde sichtbar und erlebbar. Auch beim letzten Gemeindefest ist das wieder spürbar gewesen.

Die ganze Weite des Themas „Kirche ändert sich – Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ ist aber noch wenig als Prozess, in die Gemeinde hinein wahrnehmbar.

Das Prozess-Thema wurde auch von Anfang an auf Dekanatsebene begleitet. Es gab von dort durchaus Anregungen. Doch insgesamt hätten von diesen Treffen mehr Impulse in die Gemeinden hineinwirken können.

2.2 Insgesamt ist in unserer Martinus-Gemeinde ein interessanter Prozess

sichtbar und spürbar geworden.

Die Vielfalt der Gruppen, ihre Lebendigkeit, ihre Selbständigkeit und Kreativität können wir in vielen Gottesdiensten erleben. Besonders augenfällig war und ist dies bei den Sternsingern, den Kommunionfamilien, den Firmlingen und vielen Einzelpersonen, die von ihrem Engagement Zeugnis geben. Verkündigung unseres christlichen Glaubens ist somit nicht nur Aufgabe der Amtspersonen, sondern auch der ganzen Gemeinde in all ihren Gruppierungen, Altersstufen und Begabungen (‚Charismen‘).

Der Martinus-Gedanke – teilen, teilhaben und teilhaben lassen – ist im sozial-caritativen Bereich bei uns fest verankert. Die Arbeit der Pfarreicaritas, der Tafelladen, die Kleiderkammer, der Mittagstisch, Rat und Tat, die Wohnraumoffensive, die Aufnahme von Geflüchteten ins Pfarrhaus und Schwesterhaus gehören hier dazu. Er nimmt in der ganzen Gemeinde große Gestalt an. Als „Communio des Glaubens“ (Gemeinschaft des Glaubens) ist das Gemeindeleben inzwischen viel stärker von den „Charismen“ (Gnadengaben, Fähigkeiten) der vielen Gemeindemitglieder geprägt. So wird gelebter Glaube vielfältiger, lebendiger und mit allen Sinnen wahrnehmbar.

2.3 Teilhabe – Partizipation

“Kirche am Ort” ist nicht nur Glaubensgemeinschaft und sozial-caritative Solidargemeinschaft. Sie ist auch Lerngemeinschaft. Das hat der Kirchengemeinderat im letzten Sommer erfahren, als er mit den Grundlagen unseres Glaubens auf eine neue Art intensiver in Kontakt und ins Gespräch kam (Bibliolog). Eine Fortsetzung erfuhr dies im ’ökumenischen Gesprächskreis‘, der in der ökumenischen Bibelwoche einen zentralen Text des Neuen Testaments als Thema hatte, den Christus-Hymnus im Philipper-Brief.

2.4 “Über den Tellerrand“ hinausschauen

Dies hat in unserer Martinus-Gemeinde eine lange Tradition. Einige Jahrzehnte wurde auf den Philippinen vor allem ein Kinderdorf gefördert. Aktuell bestehen sehr gute Kontakte nach Vietnam. Im Mittelpunkt steht dabei die Unterstützung des Behindertenheims in Vincente. Nicht so intensiv, aber regelmäßig wird eine große Grundschule in Uganda unterstützt. Große Spendenbereitschaft gibt es auch für eine Region in Argentinien, in der Pfarrer Nagler lange Jahre gewirkt hat. Regelmäßige Bazare in der Heilig-Geist-Kirche in Pattonville unterstützen aktuelle einzelne Projekte.

Während beim Einsatz für die „Kirche in der Einen Welt“ unsere Gemeinde gut aufgestellt ist, findet eine Diskussion über die Institution Kirche praktisch nicht statt. Dabei ist doch das Thema Reform der Kirche angesichts der gegenwärtigen Krise von größter Bedeutung für die Zukunft, und wichtige Fragen müssen beantwortet werden, zum Beispiel:

– Warum dürfen nur Männer Diakone und Priester sein?

– Sind bürokratisch organisierte Groß-Pfarreien noch Gemeinden im Sinn der neutestamentlichen Überlieferung?

Diese Reform muss auch die spirituellen Grundlagen der Kirche erfassen. Wie viel an Glaubenswissen ist bei Kirchenmitgliedern vorhanden? Werden Lebensentscheide von der christlichen Botschaft mitbestimmt?

2.5 Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, dass die letzten Jahre, auch angeregt durch den Prozess ‘Kirche vor Ort‘, unsere Gemeinde ein Stück weit verändert haben.

– In der Feier der Gottesdienste, der Liturgie, ist die Communio der Gruppen wichtiger geworden. Ihre lebendigen und vielfältigen Beiträge sind Teil der Verkündigung der guten Botschaft.

– In der Diakonie, dem Bereich der caritativen Arbeit, wird mit Planung und Umbau des Schwesternhauses Teilnahme und Teilhabe der Gruppen in unserer Gemeinde bessere Bedingungen haben.

– Als ökumenisch engagierte Gemeinde bemühen wir uns sichtbar um das gemeinsame Verstehen unseres überlieferten biblischen Glaubens.

Wir sollten diesen Weg entschieden weitergehen, um in Zukunft noch mehr eine lebendige Gemeinde zu sein – als ‘Volk Gottes‘, wie es im Vaticanum II programmatisch beschrieben wird.

  1. Perspektiven und Ziele;

3.1 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitergewinnung

Viele Mitarbeiter*innen haben inzwischen ein hohes Alter erreicht. (Ausnahme: Pattonville). Auch viele Erwachsenengruppen bedauern, dass keine neuen jüngeren Mitglieder gewonnen werden. Wir haben in der Gemeinde viele Aktivitäten, aber oft sind es dieselben Helfer, die alles vorbereiten und organisieren.

  • Es gilt für die Zukunft Helfer*innen zu gewinnen, die bei bestimmten Aktionen mitmachen, die sich nicht von vorneherein fest binden müssen. Das Ziel ist für die einzelnen Aktionen eine große Zahl von Helfer*innen zu gewinnen.
  • Dazu ist es sinnvoll einen Pool von potentiellen Helfer*innen anzulegen.

3.2 Kommunikation

Es fehlt oft an guter Kommunikation unter den Gruppen, insgesamt zu den Gemeindemitgliedern. Deshalb weiß oft die eine Gruppe nicht, was die andere tut. Es bildet sich kein Miteinander der verschiedenen Akteure.

  • Durch persönliche Kommunikation, über die Gottesdienste, durch den MartinusBrief, über die Homepage, über die Zeitung, über moderne Medien und soziale Netzwerke gilt es ein einladendes Kommunikationsnetz aufzubauen. Beschlüsse und Vorhaben des KGR könnten aktiver ins Bewusstsein der Gemeinde eingebracht werden.
  • Wichtige Informationen des KGR werden im MartinusBrief veröffentlicht, sowie als Information an den Tafeln der Seitenwand der Kirche angebracht.

3.3 Gruppen und Gemeinschaften

Es hat sich als positiv herausgestellt, Gruppen der Gemeinde einzeln anzuschauen und mit ihren Vertreter*innen, bzw. Ansprechpersonen ins Gespräch zu kommen. Durch den Austausch über die aktuelle Situation in der Gruppe wurden und werden auch Unterstützungsmöglichkeiten besprochen, die zum Teil auch schon umgesetzt worden sind (z.B. der Familienflyer und der Flyer für die Krabbelgruppen).

3.4 Konzept für das Schwesternhaus

Das Schwesternhaus wird energetisch saniert und im Zuge dessen inhaltlich neu aufgestellt. Diese Sanierung ist nicht nur eine bauliche Maßnahme, sondern eine pastorale Herausforderung. Welches sind die Bedürfnisse der Menschen in den nächsten Jahren? Was soll in den Räumen des Hauses ermöglicht werden?

  • Der KGR, der Bauausschuss, der Pastoralkreis und andere Gruppen haben schon Eckpunkte eines Konzeptes erarbeitet. Dieses muss noch verfeinert werden.

3.5 Wohnraumoffensive

Mit dem Caritasverband Ludwigsburg-Waiblingen-Enz wurde eine Wohnraumoffensive gestartet, die erste Erfolge zeigt.

  • Das Ziel ist, bezahlbaren Wohnraum zu vermitteln. Zu einer effektiven Arbeit bedarf es einer Gruppe, die diese Arbeit vor Ort koordiniert. Es gilt Vermieter zu ermitteln, die Öffentlichkeitsarbeit über den MartinusBrief und die Homepage zu verstärken. Eine Person, die Erfahrung auf diesem Gebiet hat, wäre ein Gewinn für die Koordination dieser Offensive.

3.6 Liturgie/Spiritualität: Wir glauben an Auferstehung, nicht an Wiederbelebung!

Glaube ist erfahrungsbezogen. Glaube ist ein Wachstumsweg, gebunden an Beziehungsnetze, an Gemeinschaftserfahrungen und an das Glaubenszeugnis, das Menschen geben. Kirchenentwicklung ist ein Prozess, der verknüpft ist mit dem Geist Gottes, der Menschen erfüllt und bewegt. Diese Dynamik wird genährt aus der Kraft der Botschaft Gottes, aus der Feier der Sakramente, besonders der Eucharistie.

Die Pfarrei hat drei Gottesdienstorte mit sehr unterschiedlicher Dichte und Atmosphäre. Während die Gottesdienste in Pattonville und im Thomashaus von einer dichten Atmosphäre geprägt sind, ist die Atmosphäre in der St. Martinuskirche, auch durch die Größe des Raumes bedingt, oft nicht so intensiv zu erleben. In St. Martinus und im Thomashaus feiert eher eine ältere Gottesdienstgemeinde. Wenn der Gottesdienst von Gruppen vorbereitet wird, dann verjüngt sich, wenn auch nur kurzfristig, die Gottesdienstgemeinde.

  • Daher hat es Sinn, über andere Zeiten und Modalitäten von Gottesdienstformen und Gottesdienstorten nachzudenken.
  • Spirituellen Angeboten sind vorhanden. Die Teilnehmenden sind von überschaubarer Zahl.
  • Es muss um eine Neuentdeckung des Evangeliums, des eigenen Glaubens und der eigenen Sendung gehen. Darin liegt eine große Herausforderung für uns alle in der Zukunft.

4. Pastorale Entscheidungen

  • die Gottesdienste zur Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens werden lassen;
  • die Gebetsbereitschaft stärken;
  • das bisherige Schwesternhaus mit Leben füllen;
  • das Jubiläum: 100 Jahre St. Martinusgemeinde ein ganzes Jahr feiern;
  • Gruppen der Gemeinde aktiv unterstützen, besonders die Jugend und junge Familien;
  • das Leitungspersonal der Gruppen durch Fortbildungen stärken;
  • die „Eine Welt-Projekte“ fördern;
  • das soziale Engagement weiterhin stärken
  • die Wohnraumoffensive verstärken;

III Fazit und Rückmeldungen

  1. Fazit für uns selber

Durch den gegangenen Weg wurden Teile der Gemeinde wieder intensiver in den Blick genommen. Einzelne Themen und Gruppen wurden herausgegriffen und über einen langen Zeitraum durch das Prozessteam begleitet. Es wurden einzelne Lösungen gefunden und umgesetzt. Das Prozessteam arbeitete dem KGR zu und ermöglichte dadurch dem KGR einen direkteren Bezug zu verschiedenen Gruppen. Der Weg ist mit diesem Entwicklungsplan Pastoral nicht zu Ende, sondern wird fortgesetzt.

  1. Rückmeldungen an Dekanat und an die Diözese

Die Treffen im Dekanat waren hilfreich, insofern sie einen Austausch ermöglichten. Insgesamt war das Dekanat weniger hilfreich für den Prozess. Die Materialien der Diözese beeindruckten eher durch ihre Menge.